Räume – Grenzen – Identitäten (Reihe)

„Räume – Grenzen – Identitäten“ ist eine neue Schwerpunktreihe innerhalb der Schriften zur Kultur- und Mediensemiotik (inkludierend SKMS Print und Open Access; Titelübersicht siehe unten).

Seit dem Spatial und dem Topographical Turn der 1980er/90er Jahre ist der Raum in den Blickpunkt der Geistes- und Sozialwissenschaften und vor allem auch der Kulturwissenschaft gerückt. Seitdem ist ‚Raum‘ nicht nur in den einzelnen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen zu einer zentralen Analysekategorie geworden, sondern auch zu einem Kernthema der transdisziplinären Forschung in der deutschsprachigen wie der internationalen Kulturwissenschaft. Gegenwärtig haben sich daneben die Border Studies als ein höchst aktuelles und politisch relevantes Forschungsfeld mit dem Fokus auf Grenzen und Grenzziehungsakten etabliert.

Mit Jurij M. Lotmans Grenzüberschreitungstheorie und den Konzepten „semantischer Räume“ sowie der „Semiosphäre“ stellt die Literatur- und Kultursemiotik bereits seit den 1970er Jahren ein höchst funktionales methodisches Instrument zur Analyse der Semiotisierung/Zeichenhaftigkeit von ästhetischen Räumen und kulturellen Praktiken der Raum- und Grenzkonstruktion bzw. allgemeiner der Bedeutungszuschreibungen im Rahmen jeglicher Konstrukte von ‚Raum‘ und ‚Grenze‘ zur Verfügung. Welche Merkmalszuschreibungen dabei einem ‚Raum‘ je zugewiesen werden, welche Charakteristik eine ‚Grenze‘ definiert, ist dabei als kulturell und textuell variabel zu verstehen und verweist auf die Grundlagen des Denkens bzw. die Formationen des Diskurses, die diesen Konstruktionen vorausgehen. Jeglicher Akt der Grenzziehung, der einen ‚Raum‘ oder eine ‚Identität‘ mittels Aus- oder Abgrenzung von ‚Nicht-Dazugehörigem‘ definiert, lässt sich in diesem Sinne als ‚ideologisch‘ verstehen und hinterfragen.

Die Raumsemiotik des 21. Jahrhunderts konzentriert sich dabei nicht mehr nur auf binäre oppositionelle Konzepte (z.B. ‚eigen‘ vs. ‚fremd‘, ‚Zentrum‘ vs. Peripherie‘ usf.), die als durch eine statische Grenze getrennt aufgefasst sind, wie es dem traditionellen Strukturalismus von den poststrukturalistischen und postkolonialistischen Kulturwissenschaften oft (und oft nicht zu Unrecht) unterstellt ist. Vielmehr sollte die Raumsemiotik alle Arten von Raum- und Grenzkonstrukten in ihrer Vielheit und Dynamik, somit auch unter den Aspekten ihres Wandels, in ihrer Hierarchisierung und unter Berücksichtigung der grenzkonstituierenden ‚Macht‘ beschreiben können. Ob eine Grenze als un-/überschreitbar, als un-/veränderlich, als binäre Einheiten trennend organisiert ist, ob in ihrer Darstellung das grenzüberschreitend Vernetzende und Verbindende, der Aspekt ihrer Schwellenhaftigkeit wie in Identitätsbildungsprozessen oder ihrer stetigen Verschiebung mit der sukzessiven Raumerfahrung/-begehung  (de Certeaus ‚Horizont‘) fokussiert ist, sie sich selbst als ein dritter Raum des Übergangs ( des Sowohl-als-Auch oder Weder-Noch) oder als komplexe multidimensionale Sphäre nach dem Modell eines Rhizoms konstituiert (vgl, die im Center fpr Border Studies / Europäisches Zentrum für Grenzraumforschung zugrunde gelegten Konzepte), ist zweifellos semiotisch beschreibbar, da jeglichen Prozessen des Spacings oder des Borderscapings ein Akt der Semiotisierung von Raum und Grenze vorausgehen muss, denn eine ‚bedeutungslose‘ Grenze wäre keine.

Dem entsprechend darf auch ein zeitgemäßer Begriff von ‚Identität‘ nicht als ein Nicht-Identitäres exkludierender Begriff verstanden werden, sondern als ein variables und mehrdimensionales, zudem vielschichtig vernetztes Konstrukt. Individuelle, soziale, kulturelle Identität konstituiert sich über eine Vielzahl von Zugehörigkeiten, ggf. auch zu als von bestimmten Gruppen/Mächten exklusiv behandelten bzw. vermeintlich widersprüchlichen Entitäten. Unter dem Aspekt der ‚Identität‘ behandelt die Reihe „Räume – Grenzen – Identitäten“ nicht nur kulturelle Identität(en), sondern jegliche soziale, subkulturelle usf. Zugehörigkeitsbehauptung, die – und auch jeglichen Prozess, der – sich als wesentlich ‚identitär‘ begreift.

Die Reihe Räume – Grenzen – Identitäten des Virtuellen Zentrums für kultursemiotische Forschung greift in enger Kooperation mit der Sektion Raum / Kultur in der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft (KWG) gegenwärtige Entwicklungen der Erforschung von Space und B/Orders auf, um aktuellen Aspekten der Raumforschung ein Forum zu geben. Die Reihe stellt damit einen Beitrag zur transdisziplinären Weiterentwicklung theoretischer, methodischer und inhaltlicher Ansätze und Fragestellungen der Bedeutung von Räumen und Grenzen für ‚Kulturen‘ und ‚Identitäten‘ dar.

 

Band 1

 

Band 2

Raumsemiotik: Räume – Grenzen – Identitäten erscheint als SKMS | Online No. 4/2018 in Kürze im Open Access.

Band 3

Claudia Gremler, Verheißungen des Nordens – Repräsentationen Skandinaviens in Literatur und Film der deutschsprachigen Gegenwartskultur (im Erscheinen)

Band 4

Ulrike Krieg-Holz, Arno Rußegger (Hgg.),  Österreichbilder: Mediale Konstruktionen aus Eigen- und Fremdperspektive (in Vorbereitung)

Band 5

Angela Fabris, Jörg Helbig (Hgg.), La dolce vita – Intermediale Annäherungen an Italien (in Vorbereitung)

 

Mit Unterstützung von:

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