„AQUIS SUBMERSUS“ – Literatur immersiv erleben

 

SONDERAUSSTELLUNG 12.10.2025 – 28.01.2026

„Aquis submersus – die größte Novelle, die ich bis jetzt geschrieben – “

(Theodor Storm am 7. 4. 1876 an seine Verleger Elwin und Hermann Paetel)

„Was ich selbst am höchsten an dieser Production stelle, das ist der starke, ich möchte sagen musikalische Ton, der sie von der ersten bis zur letzten Zeile durchklingt, der alle Modulationen beherrscht und als tiefe Resonanz in der Seele des Lesers zurückbleibt.“

(Emil Kuh, österreichischer Schriftsteller und Literaturkritiker, am 1. 8. 1876 an Theodor Storm)

„… eine köstlich echte Perle der deutschen erzählenden Prosa, ein Meisterwerk an Konzeption und Ausführung.“

(Ludwig Pietsch, Kunstschriftsteller und Maler, am 9. 12. 1876 in der Schlesischen Zeitung)

„Der Gipfelpunkt aber war 1875/76 mit der Novelle Aquis submersus erstiegen, die ohne alles Dingen und Feilschen Storms Meisterwerk geblieben ist.“

(Albert Köster, Herausgeber der Sämtlichen Werke von Theodor Storm 1919/20)


Museen eröffnen ihren Gästen spezifische Möglichkeiten, kulturelle Inhalte wahrzunehmen und diese in ihren Alltag zu integrieren. Anders als in den klassischen Bildungsinstitutionen, in Schulen und Hochschulen, können Menschen in Museumsausstellungen Wissen ohne Zwang und Leistungsdruck erwerben oder vertiefen. Gerade mit Blick auf die Herausforderung der Literaturvermittlung bieten sich hier große Chancen.

Storm führt seine Leser in seiner 1876 erstmals publizierten Novelle Aquis submersus durch die Landschaften von Schleswig und Holstein – doch so wie in seinem Text wird man sie vor Ort nicht wiederfinden. Die Ausstellung wird damit auch zu einer Differenzerfahrung, einer Erfahrung historischer wie kultureller Alterität. Denn Storm greift auf Ereignisse und Konstellationen der Geschichte zurück, auf ländlich-adelige Lebenswelten, auf kirchliche Kontexte, auf Naturkatastrophen wie die Zweite Mandränke 1634 oder auf die Hexenprozesse in der frühen Neuzeit. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die großen universellen Themen, die im Text angesprochen werden und zu Diskussionen anregen: Liebe und Verlust, Glück und Tod. Den Lesern, den Besuchern der Ausstellungen stellen sich existentielle Fragen: „Was ist Schuld?“, „Schicksal?“, „Gerechtigkeit?“

Der Aufbau der Ausstellung folgt dem Handlungsverlauf, vertraut aber nicht nur auf die klassischen Mittel der Literaturvermittlung. Vielmehr wird der in Storms Novelle angelegte Vergleich von Dichtung und Malerei mit Hilfe von Comic, Film und KI fortgeschrieben. Die Besucherinnen und Besucher können in den Bedeutungsraum der Novelle eintreten und Szene für Szene sinnlich wahrnehmen, nachempfinden und erfassen, wie die einzelnen Motive, Figuren und Episoden einen Sinnzusammenhang bilden, der auf die Infragestellung von Vorurteilen und Vorschriften, Rechts- und Ständeordnung, Orthodoxie und Aberglauben hinauslauft.

In einem Brief an Emil Kuh vom 24. August 1876 hat Storm erklärt, sein Maler gehe „wie durch eine Seitendecoration durch die Geschichte hindurch“. Ähnlich sollen sich die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung im Nordfrieslandmuseum bewegen: durch ein Dekor, das mehr als bloß Kulisse und Staffage ist, das ihnen aber auch Zeit zum selbstständigen Auflesen und Verdichten der im Raum ausgelegten Bezüge gemäß ihren eigenen Lebenserfahrungen und Erkenntnisinteressen lässt.

Tanja Brümmer (Direktorin des Nordfrieslandmuseums)

Matthias Bauer (Kurator der Ausstellung und Literaturwissenschaftler an der Europa-Universität Flensburg)

Begleitband:

Matthias Bauer (Hrsg.): Theodor Storms Novelle Aquis submersus (1876). Begleitband zur Sonderausstellung im Nordfriesland-Museum Husum 2025/26. Text, Kommentare, Szenografien und Exponate. Würzburg: Königshausen & Neumann 2025.

 

Begleitseminare an der Europa-Universität Flensburg:

  • Matthias Bauer (Abteilung Literatur- und Medienwissenschaft)
  • Werner Fütterer (Abteilung Kunst und visuelle Medien)

Konzeptionelle Mitwirkung:

Areena-Kiran Ahmed, Laura Sophie Ahnen, Kea Alberti, Iris Albertsen, Jannis Albertsen, Jana Asmussen, Fynn-Ole Werner Blum, Jule Böhnke, Yannick Brand, Christian Brandtner, Alina Breuer,Marie Christin Buchholz, Arber Buzhala, Janique Claus, Evgenia Deibert, Charlotte Duerger, Lisa Marlen Girnth, Kirsten Goedecke, Saskia Hamann, Teja Friedrich Hansen, Lotta Paulina Hochhaus, Hanna Hoppe, Lena-Marie Iwersen, Levke Jahn, Celina Juergensen, Rudi Karius, Jasmin Knauer, Maria Köhler, Emma Kunze, Levke Marieke Lange, Patricia-Yvonne Lewald, Leonie Lorenzen, Jana Maphosa, Emma Maurer, Lea Miege, Lara Sophie Niezborala, Lara Julie Petersen, Anton Potthast, Julia Retzlaff, Patrick Rickert, Ylvi Rieß, Alicia Sagawe‘, Lotta Schoer, Muriel Schwantes, Christiane Schwartz, Maximilian Stephan, Lasse Strottner, Nathalie Strueben, Erik Susenbeth, Bjarne Thomsen, Svea Thomsen, Hannah Jule Tschammer, Emma Luisa Vogeler, Tom Benett Wendt, Marie Wiese, Laura Winkler